Hochwasser in Baiersdorf (Juli 2007)
Wir gehören zu den *glücklichen* Menschen, die in dem Teil Deutschlands wohnen, der im Juli 2007 in keiner Tagesschau fehlte: Erlangen Höchstadt, Baiersdorf. Als ich abends von einem Freund nach Hause kam, bin ich auf dem direkten Weg in den Keller verschwunden ==>aufwischen.
Samstag, 22.07, 02:59 Uhr:
In unserer Gegend gab es in der Geschichte noch nie Hochwasser. Dass das Wasser vor unserer Haustür über den Bordstein sprudelt, haben wir so noch nie erlebt. Zwei Straßen weiter war es jedoch noch deutlich heftiger. Brodos, über das in den Medien viel berichtet wurde, ist keine 300m von uns entfernt.
Rechts, der Kellerabgang. Seit etwa 2 Stunden hatten wir keinen Strom mehr, genau wie der Rest von Baiersdorf auch. So hell wie es auf dem Bild wirkt, war es nur dank meines Blitzes, wir hatten Kerzen aufgestellt. Christian ist noch optimistisch und am Wasserschöpfen.
Noch sind vom Klavier nur die Füße betroffen. Leider blieb es hierbei nicht. Wir konnten uns nicht vorstellen, das das Wasser *noch* höher steigt. Leider war dem nicht so. Das Wasser selbst kam zunächst aus den Wänden und unter der Kellertreppe heraus. Im Verlauf der Nacht kam es vorallem aus der Tür zum unausgebauten Teil unseres Kellers. Komischerweise hat sich keiner getraut die Tür mal aufzumachen ^^.
Samstag, 22.07, 04:43 Uhr:
Das Wasser stieg noch immer... Gegen die wegschwimmende Gefriertruhe hat Christian eine lange Zeit beständige Konstruktion gebaut. Leider hielt diese nur bis etwa morgends um 6:00 Uhr, dann fiel Kühlschrank und Gefriertruhe um, in der verursachten Bugwelle schwammen unzählige Lebensmittel durch den Keller. Das Klavier war längst ein Fall für den Sperrmüll. Im Laufe des Morgends stand die Tastatur des Klavier vollständig unter Wasser.
Samstag, 22.0, 05:27 Uhr
Der Höchststand im Keller, nach diesem Foto ist das Wasser kaum noch gestiegen. Ich habe mich nicht mehr nach hinten getraut, der Schrank da hinten war irgendwie beängstigend, außerdem roch das Wasser übel nach Terpentin, Wandfarbe etc.
Nach erquicklichen 4 Stunden Schlaf...
... und frischem Kaffee den wir uns vom BECK geholt hatten (wir hatten ja noch immer keinen Strom...), ging es weiter froh ans Schaffen
Sonntag, 22.07, 16:16 Uhr
Endlich hatten wir es geschafft eine Feuerwehr zu uns zu locken. Aber wer unseren Keller sieht versteht vll., dass keine FFW Lust hatte, uns zu besuchen ;) Nein, den Feuerwehren ist kein Vorwurf zu machen, aus ganz Bayern sind die freiwilligen Helfer nach Baiersdorf geströmt, und wir waren weißgott nicht die einzigen betroffenen. Es gab viele, die es weitaus schlimmer erwischt hat, als uns. Daher von unserer Seite ein großes Dankeschön an die freiwillige Feuerwehr von Markt Eckental/Oberschöllenbach. Sie haben Ihre Freizeit dafür geopfert uns von der stinkenden Brühe, die durch unseren Keller schwabbelte, zu befreien. Herzlichen Dank!
Vor unserer Haustür bildeten sich langsam die Müllberge. Im Keller sammeln sich nunmal im Laufe der Jahre viele Dinge, die ein Problem damit haben 12 Stunden lang im Wasser zu schwimmen.
Montag, 23.07, 21:53 Uhr
Der Sturm am Montagabend macht die macht die Sache perfekt. Als die Berge vor der Haustür wegzufliegen drohen, quetschen wir sie behelfsmäßig zusammen und sichern sie mit Folien die im Keller zu Tage gekommen sind. Anschließend *klauten* wir uns von den Nachbarn noch eine Tür und alte Hölzer, damit unser Geraffel möglichst nicht wegfliegt.
Weitere Quellen
- Weitere Fotos von mir auf den Seiten der Feuerwehr Oberschöllenbach
- Berichte und Fotos der Feuerwehr Gosberg, Welt-Online und Tagesschau
- Fotos der Leitstelle Nürnberg







